Männer

11000 Tonnen – was trägt?

Rund 45 Männer folgten der Einladung zum Männervesper in Gomaringen – und sie wurden nicht enttäuscht. Auf dem Programm stand ein ebenso informativer wie inspirierender Vortrag von Matthias Widmayer, leitender Bauingenieur aus Stuttgart, der weltweit Brücken und Stadien baut.

Musikalisch wurde der Abend begleitet von Gert Kürner am Euphonium, und für das leibliche Wohl sorgte wie immer die beliebte Gulaschkanone – herzhaft und lecker.

Matthias Widmayer nahm die Zuhörer mit auf eine spannende Reise durch seine berufliche Laufbshn.

Über seine Diplomarbeit kam er zur renommierten Firma Schlaich Bergermann & Partner, deren Gründer Jörg Schlaich unter anderem am Münchner Olympiastadion beteiligt war.

Das Unternehmen ist auf Leichtbau spezialisiert: Stadien, Türme, Glasbauten, Solarkraftwerke, einschließlich komplexer Aufwindkraftwerke. Widmayer verantwortete als Bauleiter schon manches Großprojekte, von denen er drei exemplarisch darstellte:

 

Die Brücke in Delhi

2010 bis 2013 leitete Widmayer in Delhi, Indien den Bau einer Brücke mit einem gigantischen Einzelpylon: 165 Meter hoch, 16.000 Tonnen schwer, trägt er das gesamte Brückendeck einseitig.

Stadion von Atlético Madrid

Beim Umbau des alten Stadions mit seinen 80.000 Plätzen stand unter anderem der sogenannte Big Lift im Mittelpunkt. Dabei wurde ein 900 Meter langer Druckring millimetergenau zu einer Art Felge zusammengesetzt – das Rückgrat des neuen Dachs. Solche Präzision ist nur möglich durch moderne Computersimulationen mit der Methode der finiten Elemente, die das Tragverhalten genau berechnen.

Weltrekordbrücke in Linz

Ein ganz besonderes Projekt: die größte echte Hängebrücke der Welt, ganz ohne Pylone oder Stützen – nur im Fels verankert. In Linz entstand über einen Zeitraum von 20 Jahren jene Donaubrücke, an der Widmayer von Beginn an mitwirkte und zuletzt den Ingenieursanteil der Baustelle leitete. Die beiden Fundamente mit 500 Kubikmetern Beton leiten die Kräfte in den Fels, und die 24 Tragseile tragen jeweils bis zu 2.200 Tonnen Zugkraft. Die Fahrbahn selbst besteht aus neun je 350 Tonnen schweren Stahlsegmenten, einer Betonplatte und dem eigentlichen Fahrbahnbelag.

 

Ein persönliches Fazit

Zwischen all den beeindruckenden Projekten ließ Widmayer auch sehr persönliche Gedanken einfließen.

Seine Zeit als junger Abenteurer in Afrika – damals auf dem Motorrad und mit Gleitschirm unterwegs – war für ihn prägend. Dort traf ihn sehr hautnah das Elend von Menschen, denen es am nötigsten fehlt. Entsprechend engagiert war er anschließend schon während seiner Studienzeit, um in Afrika Wasserbauprojekte voranzubringen. Er baute Brücken und kleinere Staudämme und war Mitgründer von „Ingenieure ohne Grenzen“.

Dabei lernte er bereits als Student zu improvisieren, flexibel zu reagieren, umzuplanen und die lokalen Gegebenheiten ernst zu nehmen. Genau das, so sagte er, ist das wahre Erfolgsgeheimnis jeder Baustelle – im Großen wie im Kleinen, auch auf den Spaghetti-Baustellen an den Tischen im Gemeindesaal:

Denn der Referent forderte gegen Ende des Abends die Teilnehmer heraus: Mit trockenen Spaghetti, Klebstoff und Knete sollten sie selbst ein tragfähiges Gebilde errichten. Wacklig und reichlich instabil standen die Playmobilfiguren schließlich auf ihren fragilen Plattformen.

Das Team mit dem höchsten Spaghetti-Turm

 

Was trägt wirklich?

Zum Abschluss wurde es still im Raum. Widmayer stellte die Frage in den Raum, die über allem stand: Was trägt im Leben?

Nicht Erfolg, Ehrgeiz oder Besitz, so seine Antwort – sondern ein tragfähiges Fundament. So wie Jesus das Leben mit einem Haus vergleicht, das auf Fels statt auf Sand gebaut ist.

Die Donaubrücke in Linz wird von 217 Ankern gehalten – ein Wunderwerk. Doch in Kriegszeiten, so zeigte ein Blick in die Ukraine, können auch solche Bauwerke rasch zerstört werden.

„Jesus Christus aber gibt unserem Leben einen Halt, der uns bis in Gottes Ewigkeit hinein trägt.“

Ein starkes, persönliches Bekenntnis – und ein berührender Schlussakkord eines beeindruckenden Abends.

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