Zur Ehrung von Willi Bold und Siegfried Härter am 1.Februar
In der Predigt am vergangenen Sonntag war von der „Wolke der Zeugen“ die Rede – diesem starken Bild aus dem Hebräerbrief, das voller Respekt an die Generationen erinnert, denen wir die Weitergabe des Evangeliums verdanken. Und dann, fast nahtlos, wurde diese Wolke der Zeugen plötzlich ganz gegenwärtig:
Denn wir konnten zwei Zeitzeugen der jüngeren Vergangenheit unserer Gemeinde ehren, die genau dafür stehen: für Treue, Ausdauer und Verantwortung über Jahrzehnte hinweg. Mit Siegfried Härter und Willi Bold haben zwei Männer die Johannes-Brenz-Medaille in Bronze erhalten – die höchste Auszeichnung für Mitarbeitende im nicht hauptamtlichen Dienst. Höchste Ehrung, wohlgemerkt. Bronze klingt bescheiden, ist es aber ganz und gar nicht.



Siegfried Härter war vor Jahren nicht nur im CVJM-Vorstand. Über mehr als 35 Jahre hinweg hat er die Konfirmandenarbeit unserer Kirchengemeinde begleitet, getragen und gestärkt. Dazu kommen 18 Jahre im Kirchengemeinderat, davon zwölf Jahre als Vorsitzender. Und wer ihn kennt, weiß: Das war nie ein Amt auf dem Papier. Als Elektrotechniker und handwerklich versierter Mensch war er an unzähligen großen und kleinen Aufgaben beteiligt – bis hin zur Rolle des Sicherheitsbeauftragten der Kirchengemeinde.
Martin Schenk, der heutige Vorsitzende des Kirchengemeinderates brachte es augenzwinkernd auf den Punkt: Siegfried Härter sei der Mann mit dem Blick auf die Suppe. Während andere das Haar in der Suppe suchen, sieht er, was da ist und was gelingt. Er vermittelt Freude am Gelungenen. Das baut auf, das motiviert – und solche Menschen tun einer Gemeinde einfach gut.

Und dann Willi Bold: Auch seine Wurzeln liegen in der Jugendarbeit des CVJM. In jungen Jahren hat er sogar eine Jungschar in Bronnweiler mitgegründet – damals als Fördermaßnahme von Gomaringen aus, zu einer Zeit, als wir noch zum Landkreis Reutlingen gehörten. Später wurde er sogar Vorsitzender des Evangelischen Jugendwerks in Reutlingen. Verantwortung übernehmen, leiten, gestalten – das zog sich wie ein roter Faden durch sein Engagement.
Diese Führungskompetenz war dann auch in Gomaringen gefragt, als die Leitung der Kinderkirche vakant wurde. Rund 25 Jahre lang hat er diese Aufgabe übernommen – in Zeiten sehr großer Kinderzahlen und mit einem entsprechend breiten Mitarbeiterkreis, den er souverän zusammenhielt. Nach einer überschaubaren Ehrenamtspause ging es vor zwölf Jahren dann noch weiter mit der Leitung des Treffpunkts Senioren, den er nun zum Jahresbeginn abgegeben hat.
Beide stehen für eine beeindruckende Konstanz und für eine nachhaltige Wirkung über Generationen hinweg! Wir sagen von Herzen Vergelt’s Gott! – und wissen, was wir ihnen verdanken. Zugleich ist da der Auftrag, sorgfältig mit dem Erbe umzugehen, das sie hinterlassen.
Ganz konkret ist das auch sichtbar: Siegfried Härter hat nun gemeinsam mit Hildegard Renovanz-Grützmacher die Leitung des Treffpunkts Senioren übernommen. Die Wolke der Zeugen bleibt also nicht Vergangenheit – sie wirkt weiter, mitten unter uns.
Peter Rostan